Luxus. Für mich.

25Feb07

Das Kopfweh war das Erste was ich spürte. Kein Kater-Kopfweh. Absolut nicht! Ehrenwort. Eher ein schmerzvolles Kopfweh, keines, dass sich langsam anschleicht und dann nicht mehr weggeht, sondern ein Kopfweh, dass so schnell und stark eintritt, wie es auch wieder verschwindet.

Bereits der zweite Blick verriet mir sofort die Ursache des Kopfwehs: ein Stöckchen. Unscheinbar lag es neben dem umgefallenen Stuhl, auf dem ich gerade noch saß und wichtige Sachen auf dem Schreibtisch machte. Bestimmt sogar.
Und jetzt lag dieses unscheinbare Stöckchen einfach so neben mir und lag da einfach. Ich bemerkte das Kopfweh noch leise Tschüss sagen, als es von den ersten Gedanken, die sich über diesen Unfall gedanken machten, verdrängt wurde. Die Gedanken schossen nur so aus ihren Verstecken und beballerten mich…mit Gedanken eben. Gedanken über diese Sache, wer es nur wagte diesen unglaublich feigen Anschlag zu verüben und in mir sprießen die ersten Ideen zur Lösung des Rätsels. Das Stöckchen natürlich. Woher es kam sind noch mehr, also muss uns das zum Urheber bringen. Logisch, dachte ein Gedanke.

Ich nahm das Stöckchen, hörte das Kopfweh wieder sehr laut Hallo schreien als ich mit dem Kopf an den Schreibtisch stieß und ging fluchend und den Kopf kopfwehwegreibend in meine Bett-Höhle.
Dort sah ich mir das Stöckchen mal genauer unter dem Mikroskop an. Und Überraschung, Überraschung diese Amatuere präsentierten mir ihre Fingerabdrücke samt Blutspuren auf dem silbersten Silbertablett aus Gold.
„HA“, lies ich einen Gedanken laut aus meinem Mund flüchten, „diese Amateure!“
Ich schaute weiter das Stöckchen an und bemerkte auf einmal etwas. Einen Aufkleber. I-z…Izananan…Nein, nochmal. Iza…nagi. IZANAGI! Von dem kam das Stöckchen also. Ich jubelte innerlich und wollte schon zu meiner Liste der Leute, die ich vor meinem Tod noch besiegen muss, laufen und den letzten Strich zum durchstreichen vollführen, als ich über den Rest auf dem Stöckchen stolperte.

Es war eine Frage, die mich sofort erstarren lies. Ich las und las es erneut, dennoch veränderte sich die Frage nicht. Sie blieb gleich und innerlich hallte sie durch meinen vom Kopfweh gepeinigten und nun gedankenlosen Kopf. „Was ist Luxus für dich?“, wurde mein innerer Monolog zu einem äußeren.
Ich blickte auf. „Dieser Mistkerl! Der kann mir doch kein Stöckchen zuwerfen, das wäre ja zu gut von ihm…Verdammt!“ Ich begrub die Gedanken an meine Liste und die Vergeltung und lies wohl oder übel erste Gedanken zu der Frage herauskommen.

Was ist Luxus für dich? Für mich.
Nach langer Beratung mit meinen Gedanken und einem schweren Auswahlverfahren fühlte ich mich bereit sie formulieren zu können. Ich blickte auf ein Blatt Papier, auf die, vom schnellen Denken und der nicht nachkommenden Hand verursachten, krakelige Schrift und las es nochmal laut vor:

Was ist Luxus für mich? Luxus für mich ist in dieser Art und Weise privilegiert zu sein und in dieser gewissen Blase hier leben zu dürfen. Ich darf Sachen sehen, erleben und spüren, die andere vielleicht niemals sehen werden oder können. Ich darf gleichzeitig aber auch Sachen nicht erleben, die anderer erleben, fühlen und spüren müssen. Was das genau ist kann sich jeder natürlich irgendwo denken, trotzdem kann ich das alles nicht eingrenzen, weil ich mit Sicherheit was vergessen würde und das nicht richtig wäre.
Gleichzeitig ist Luxus für mich aber auch an ganz materiellen Dingen fest zu machen, ich würde lügen wenn ich sagen würde, dass ich auf Sachen, die man nicht unbedingt zum Leben braucht verzichten könnte. Videospiele zum Beispiel, die brauch ich niemals zum Leben, trotzdem würde ich es zur Zeit sehr hart finden sie nie mehr benutzen zu können oder dürfen. Das Gleiche mit Filmen, ich bin um diesen Luxus sehr froh, weiß gleichzeitig aber auch, dass ich natürlich nicht den genügenden Ehrfurcht vor all diesen Sachen habe, den man vielleicht haben müsste. Andererseits ist es vielleicht auch Luxus den Luxus nicht mehr als Luxus sehen zu können.

Ich beendete meine Ausführung, hörte dem Hall meiner Stimme kurz nach und lehnte mich dann zurück. Im Augenwinkel betrachtete ich das Stöckchen und musste lächeln. Dieser Izanagi…
Ich lauschte der Stille, ging nochmal kurz in mich, lies die Gedanken heute mal frei herumtollen, und nahm das Stöckchen in meine Hand. Betrachtete es nochmal kurz, lächelte und zog den Izanagi Aufkleber vorsichtig ab, strich den Batman Aufkleber durch und schrieb Basti drüber. Ich brach das Stöckchen, warf den ersten Teil mit all meiner Kraft nach Hamburg, nahm dann den zweiten Teil und spielte kurz mit dem Fantatier um ihm es dann liegen zu lasse. Gute Reise, Stöckchen!
Ich setzte mich wieder auf meinen Stuhl, öffnete meine Hand und betrachtete den Izanagi Aufkleber. Ich musste lächeln.

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XX Responses to “XXX”

  1. Wenn ich groß bin, dann will ich auch mal so schön schreiben können. Ehrlich…..

  2. Danke. Und ich würd gern so tolle Bilder machen…

    Ich zitiere mal: „Michael Jordan spielt Ball. Charles Manson bringt Leute um. Ich rede. Jeder Mensch hat ein Talent.“ (Thank you for smoking)
    😉

    Nein, ganz ehrlich, ich bin selbst etwas stolz. Hätte nicht gedacht, dass es schon so gut und vor allem relativ schnell klappt.

  3. Ach, was haben wir uns dich nur wieder lieb 🙂

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